reflections

Wann ist ein Leben noch lebenswert?

Andauernde Schmerzen, und Tage, an denen sie noch schlimmer werden .... an denen man daran denkt, wo die Unterlagen sind, die benötigt werden zur Beerdigung .... ist das noch lebenswert?

Irgendwo kann ich dann verstehen, wenn meine Oma verbittert und ungerecht wird - das muss doch ein schreckliches Gefühl und ein schreckliches Wissen sein. Aber gleichzeitig bringt es doch nichts, das an denen auszulassen, die sie pflegen, die immer nur das Beste für sie versuchen zu tun ....

Sie soll uns ja gar nicht danken, aber wenigstens so behandeln, wie sie mit jedem anderen auch umginge .... mit Respekt. Warum wirft sie meiner Mutter vor, sie wolle sie nur im Grab sehen, sie wäre doch froh, wenn sie endlich unter der Erde wäre?

Langmut ist das einzige was da hilft, aber irgendwo ist auch der erschöpft, wenn das tag täglich so geht. Dann ist man nur noch traurig und zieht sich zurück. Warum kann sie sich nicht einfach mal mitfreuen, wenn auf die Reklamation bei Golden Toast hin, dass in der Tüte, die sie gekauft hat, statt 8 nur 5 Brötchen waren, ein großes Paket ankommt und gleich auf eine komplette neue gleichwertige Tüte noch andere Dinge draufgelegt werden. Es geht doch niemandem um die dusseligen Brötchen, sie hätte die ganzen 14 Stück haben können, die insgesamt gekommen sind, aber anstatt das sie sich mal freut, das ich sowas für sie hinbekommen hab - da wird einem nur ins Gesicht geklatscht "aber drei Brötchen davon stehen ja dann mir zu" .... das ist wie das kaputt machen jeder Freude.

Das ist wie das Gefühl, was man hat, wenn man sich über eine Sache freut, und der nächste ankommt, und nur einen Satz braucht, um das alles zu zerstören und man es enttäuscht in die Ecke stellt und am liebsten nie wieder angucken will. 

Warum kann sie sich an solchen Dingen nicht freuen? Ich dachte immer, wenn man kurz vor dem Ende seines Lebens steht, dann wird man dehmütiger, kann sich an kleinen Dingen so viel mehr erfreuen als andere, sieht die kleinen Dinge des Lebens als das was sie wirklich sind ....

Sie leidet jeden Tag, gestern .... wusste sie kaum, wie sie aus dem Bett kommen sollte - das Gesicht war wie zur Hälfte ohne Leben. Wie wenn es schlafen würde. Der Tumor auf dem Rücken hat gearbeitet ohne Ende, und hat nur noch deutlicher gemacht, was eh schon zu sehen war ... er ist nicht nur offen sondern hat inzwischen auch die Größe von einer Handfläche. Sie ist inzwischen auf dem linken Ohr fast taub, weil die Tumore im Kopf, die über dem Ohr angesiedelt waren, wohl solche Ausmaße angekommen haben, dass sie durch den Druck den sie ausüben, alles zerstören. Ihre Augen tränen ohne Unterlass, weil sie Geschwüre an den Tränensäcken hat; sie zittert so stark, dass sie kaum noch schreiben kann; durch die Tumore an der linken Schulter sind ihre Lymphen so zugedrückt, dass ihr Arm auf voller Länge fast 3* so dick ist normal und total hart .....

Wo ist da das Leben noch lebenswert? Alle zwei Tage nicht gut aus dem Bett kommen, die übrigen Tage nach einem halbstündigen Spaziergang kaum noch in die Wohnung kommen, weil sie im ersten Stock liegt - lügen müssen, weil man vor der Tochter nicht zugeben will, dass man gefallen ist. Weil man sich immer noch weiß machen will, das man das alles noch kann, das man sogar noch wieder mehr können wird demnächst, wenn es erstmal wieder wärmer ist ^^. Sicher ist aufgeben auch keine Lösung, aber die einzige, die sich um sie kümmert belügen, ist doch auch keine .....

9.3.07 14:57

bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


DC (13.3.07 02:16)
solche Situationen sind immer schwierig
Da denkt man dann doch wieder über "Sterbehilfe" nach ...
Obwohl man doch immer wieder sagt (und auch gesagt bekommt): "Nein, das kannst du nicht machen, das ist Mord" ...
Ja, BlaBla ... die haben sowas dann mit Sicherheit nicht mitmachen müssen ...


(13.3.07 16:52)
Nein - die kennen sowas nie! Wer es noch nie erlebt hat, der sollte einfach seine Klappe halten und nichts sagen, weil er keine Ahnung hat, aber dann müssten ja auch die meisten Politiker ihre Schnauze halten!!

Gestern war schon wieder grandios, meine Oma isst den Crispy Chicken Burger von BK sehr gerne, aber geht halt net gerne rein und kauft den, also mach ich das denn ab und zu. Naja, also gestern sollte es wieder soweit sein, meine Mutter war ja eh schon hingefahren und dann wollte ich mir Skates unterpacken und halt dahin fahren über BK. Hätte ja dann auch ca. ne Stunde, vielleicht auch 1 1/2, bis dahin gebraucht, also die zu erwartenden Kalorien schon vorher halbwegs abgekämpft. Ich war also gerade unter der Dusche, um dann hinterher los zu fahren, da ruft meine Mutter an, und bestellt alles ab. Was dann hinterher lief, sei jetzt einfach mal verschluckt, weil es sich dann geklärt hat - aber was war passiert? ... meine Oma meinte mal wieder wie ne Furie auf meine Mutter losgehen zu müssen und sie wie ne dumme Göre belehren zu müssen, dass sie überhaupt nichts könne, wisse usw. Das meine Mutter dann nicht noch Lust hatte, ihr auch noch nen Gefallen zu tun .... wohl nur verständlich!


(13.3.07 17:50)
Das schlimmste an diesen Situationen ist, dass man alles richtig machen will, demjenigen die letzten Tage noch schön und gerecht gestalten will, man aber immer irgendwie auf Ablehnung stößt. Das traurigste daran ist aber, dass man sich immer wieder fragt warum und sich dann selbst die Schuld gibt. Man versucht alles nur alles ist irgendwie verkehrt und nicht gut genug. Nur ist es manchmal so, dass Betroffene dies aus für sich selbst gut erklärlichen Gründen machen. Sie halten sich für eine große Belastung und denken das wären Sie auch für die anderen. Mit höherem Alter werden die Menschen sowieso immer bornierter, wenn dann aber so etwas noch hinzu kommt ist es fast nicht mehr ertragbar. Eigentlich meinen Sie es nicht böse, in meiner Familie war auch so ein Fall. Meine Tante. Ihre Kinder haben alles gemacht für sie, aber im weiteren Verlauf der Krankheit wurde es immer schlimmer, sie wurde gereizter, gemeiner und abweisender.... Eines Tages hatte meine Cousine dann vor ihrer Mutter einen Nervenzusammenbruch weil sie die ständige Belastung nicht mehr aushielt. Und da sagte meine Tante dann zu ihr, dass es ihr leid tät, aber sie tat das nur weil sie keine Belastung sein wollte, sie kam sich so hilflos vor, konnte nichts mehr tun oder helfen... Den meisten Menschen geht es so, wenn sie nix mehr tun können fühlen Sie sich hilflos und denken Sie wären nur noch eine Last die man nicht braucht. Und so verhalten sie sich dann auch.
Es ändert aber meistens nichts an den Gefühlen zur Familie.

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