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einsam .....

ist irgendwie was ganz anderes als allein ....

Man ist allein, aber man fühlt sich einsam ..... wie soll ich es anders beschreiben? Es ist wie eine Leere, die einen ausfüllt, einen immer wieder eiskalt erwischt, wenn es leise und still wird ....

Und dabei will man ja nichts unmögliches ... und gleichzeitig weiß man, dass es doch unmöglich ist, jemanden zu finden, der ein solches Gefühl "mal eben" ändert und einem all das gibt, wo nach man sich sehnt.

Niemand beliebiges .... jemand der das Herz berührt .... mit dem man schweigen und quatschen, lachen und weinen, schlafen und wachen und so vieles mehr kann ...

Von dem man Kilometer entfernt sein kann, und doch das Gefühl hat, dass da jemand ist, der einen "nach Hause kommen lässt" ...... 

15.4.07 03:31, kommentieren

Heute war ....

ein schlechter Tag ....

Schlechte Tage gibt es jetzt immer häufiger, seit fast 14 Tagen war sie nur vier mal aus der Wohnung raus, hat für eine Strecke von sonst fünf Minuten 45 gebraucht und gibt sich selber auf ....

Jetzt bekommt sie Tramal als Schmerzmittel, sie hat das Gefühl ihr Oberkörper bricht zusammen, sie kann ihren Kopf kaum noch halten, wann immer es geht stützt sie ihn mit der Hand ab. Die Tumore sprießen nur so - wo immer sie mal einen kleinen Knoten oder den Krebs damals vor 19 Jahren hatte, da stehen die Tumore deutlich sichtbar wie ein Hügelfeld - der Rücken ist eine Tumorlandschaft - wo die OP noch im Winter war ist jetzt ein schorfiges wucherndes etwas, was von Tag zu Tag zu wachsen scheint.

Die Konfi meines Cousins war ihr nächstes großes Ziel - sie hat es schon aufgegeben. Dabei ist es nur noch einen Monat hin. Aber sie hat sich auch drauf eingelassen - hat solange gejammert bei meinem Onkel, dass sie nicht Samstag mit uns hinfahren könne und Sonntag wieder zurück wegen der Fahrt, da hat er ihr einen Flug gebucht. Völliger Schwachsinn in meinen Augen - aber ich habe da ja nichts mitzureden.

Und dann ihre Wohnung - sicher, ich weiß alles nur über meine Mutter, weil ich nicht soooo häufig da bin - aber selbst ich habe schon bemerkt, was meine Mutter sagt: sie lässt alles liegen, rafft sich kaum noch auf noch etwas zu machen, sie legt sich schlafen, sobald nicht irgendetwas anderes spannendes ist - und das sind alles in allem wohl sicher so 19 Stunden am Tag, die sie schläft, falls meine Mutter einen Tag nicht da ist - und 17 bis 18 Stunden, wenn meine Mutter da ist. Früher hat sie noch alles selber machen wollen, kochen, die Küche aufräumen, den Kühlschrank frisch halten - inzwischen darf meine Mutter die verdorbenen Sachen aus dem Kühlschrank holen, Essen aufwärmen für sie, und täglich aufräumen. Verdorbene Sachen deshalb, weil sie vergisst, was sie im Kühlschrank hat, und wenn sie es nicht vergisst und in die Küche kommt, dann hat sie gar keine Lust mehr für sich zu kochen - es würde ja eh nicht lohnen für sie.

Der Darm ..... funktioniert auch nicht mehr richtig, sie hat nen Bauch wie ne Schwangere mit 6 oder 7-lingen .... wohl viele Metastasen - ohne Abführmittel geht gar nichts mehr.

Sie hat geweint - vor Angst, vor den Schmerzen, die sie noch leiden muss ... das geht nicht schnell, das geht langsam - kriechend und sie wird bei noch recht gut funktionierenden Verstand mitbekommen, wie sie noch mehr als eh schon zerfällt. Sie hat Angst vor langem Leiden, was ihr jetzt bevor steht, vor Lähmung die innerhalb von Tagen einsetzen und sich durch den Körper ausbreiten kann. Der Arzt hat gesagt, dass es kein kurzes Ende nehmen wird und alles was er kann ist ihr immer mehr Schmerzmittel geben - Abhängigkeit ist da kein Thema mehr. Gut das sie die Mittel bekommt ....

Da denkt man dann über Sterbehilfe nach, sie wünscht sich nur noch, dass es schnell zu Ende geht. Und wer kann ihr das übel nehmen? Wer kann nicht verstehen, dass sie nicht unter Schmerzen die Welt verlassen will?

Ich kann sie kaum noch besuchen - bringe es kaum noch über mich - schaffe es nicht sie leiden zu sehen - ich weiß, wie gemein sie bei allem war, ist und noch sein wird - und doch - ich liebe sie doch! Ich weiß wie unfair das von mir ist - sie will mich wohl noch so häufig wie es geht sehen, aber ich sehe sie verfallen und will an sich nur das Bild von vor 4, 5 Jahren vor mir sehen.

Und was das Schwerste ist, du darfst ihr dein Mitleid ja nicht zeigen. Meine Mutter leidet schon genug, sie muss jeden Tag alles mit ansehen, alles mitmachen - ich versuche sie immer noch zu trösten, aber ich weine allein und weiß nicht was ich machen soll.

Nie hab ich zu einigen Zeiten so neben mir gestanden und mich von der Seite angesehen und mich gefragt, ob alles was ich tue richtig ist, ob ich nicht mein Leben verschwende, ob ich meinen Weg gehe, oder den von anderen .... und Schweden ist so weit weg - überhaupt nicht real - wie etwas, was vor einem liegt, aber nicht zu greifen ist .... es rückt näher und doch scheint es irrsinnig weit in der Ferne zu liegen ... hinterm Horizont .... 

1 Kommentar 21.4.07 01:58, kommentieren



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